Haaraufbau
 
   
 
 
Der Aufbau der Haare einfach erklärt

Nüchtern betrachtet, ist das Haar nichts weiter als ein totes, aus verhorntem Eiweiß (Keratin) bestehendes Anhanggebilde der Haut. Dies bedeutet aber nicht, daß es keine Einflußmöglichkeiten auf das Erscheinungsbild dieser ´toten´ Materie gäbe. Zum besseren Verständnis muß man sich aber mit dem Haaraufbau etwas vetraut machen. Man kann drei wesentliche Bereiche unterscheiden:


1.) Der Markkanal (Medulla) bildet wie ein Röhrchen die Mitte des Haares. Er ist oft nur unregelmäßig bzw. gar nicht mit dem sogenannten Mark gefüllt. Bei der Färbung des Haares kommt diesem Teil keinerlei Bedeutung zu.
2.) Die Faserschicht (Kortex) nimmt ungefähr 80 % des Haares ein. Gebildet wird die Faserschicht aus feinen, verhornten, kabelähnlichen Fasern, die sich zu Faserbündeln zusammenschließen und die in eine Kittsubstanz eingebettet sind. Einzelfasern vernetzen die Faserbündel und geben dem Haar so seine Festigkeit. Für die Farbbehandlung hat die Faserschicht vor allem deshalb große Bedeutung, weil in ihr die natürlichen Farbpigmente des Haares eingelagert sind. Aber auch wesentliche individuelle Eigenschaften eines Haares (Elastizität, Widerstandsfähigkeit usw.) werden durch die Qualität der Faserschicht bestimmt.
3.) Die Schuppenschicht (Cuticula) bildet die äußere Schicht des Haares. Sie besteht aus flachen, plattenförmigen, verhornten, transparenten Zellen, die das Haar ringförmig umgeben. Fünf bis zehn Schuppenlagen, die dicht übereinanderliegen, halten das Haar "zusammen" und schützen es vor äußerer Belastung. Die Schuppen liegen in Wachtumsrichtung überlappend übereinander, ähnlich wie etwa ein Tannenzapfen. Diese gleichgerichtete Orientierung ist wichtig, um ein Verhaken der Schuppenschicht benachbarter Haare und damit ein Verfilzen zu verhindern. Beim Toupieren werden gezielt Haare durch ´Gegenkämmen´in eine andere Orientierung gebracht, es wird also gewollt ´verfilzt´.


Bei gesundem Haar liegen die Schuppen eng an den Haarschaft an, und brechen hierduch das auf sie fallende Licht in gleicher Form, das Haar ´glänzt´. Durch das glatte Anliegen an den Haarschaft lassen sie aber auch sehr gut die in der darunter liegenden Faserschicht eingelagerten Farbpigmente durchscheinen, wodurch die Haarfarbe kräftig und ´satt´ erscheint.

 

 

Wie schon an anderer Stelle angedeutet reagiert das ´tote` Haar durchaus auf Umwelteinflüsse. Haare sind hygroskopisch, dh. sie nehmen bis zu 30% Wasser auf und verändern sich dadurch. Einmal verändert sich dabei durch den Quellvorgang der Durchmesser um bis zu 14%, zum anderen läßt sich das Haar in nassem Zustand um bis zu 70% dehnen, deutlich mehr als in trockenem Zustand (50%). Gleichzeitig aber reagiert das Haar sensibler auf Belastung, denn während ein trockenes, europäisches Haar im Durchschnitt ein Zuggewicht von 80-100g aushält, verringert sich dies im nassem Zustand um rund ein Drittel.

 

 

Die das Haar bildende, sogenannte Haarwurzel liegt in einer Einstülpung der Haut, dem Haarfollikel. Das untere Ende ist etwas dicker und umschließt die sogenannte Haarpapille, in der die ´Mutter´- oder Matrixzellen sitzen, die durch Zellteilung den eigentlichen Aufbau der Haarsubstanz verursachen. Diese Haarsubstanz wird kontinuierlich neu gebildet und durch einen Kanal zur Hautoberfläche gedrückt. Im Verlauf dieses Prozesses verhornen die Zellen und bilden den Haarschaft, der ausschließlich aus toten, keratinisierten Zellen besteht. Damit wird deutlich, daß auch Haarersatz oder eingebrachte Haarteile grundsätzlich keine andere Pflege als das eigene Haar benötigen, sofern sie in ihrem Haaraufbau nicht beschädigt worden sind, denn in beiden Fällen handelt es sich um ´tote´ Zellsubstanz. Aus diesem Grunde ist auch die weit verbreitete Meinung, ein Haarschnitt könne das Haarwachstum stimulieren, als Fehlinformation einzustufen.

 

 

Bekanntermaßen wachsen unsere Haare, aber dies ist keineswegs ein unendlicher Prozess wie viele glauben, sondern es gibt verschiedene Wachstumsphasen, an deren Ende der genetisch vorprogrammierte Haarausfall steht. Grundsätzlich kann ein Haar etwa 7 Jahre alt werden, Männerhaare haben einen kürzen Lebenszyklus als Frauenhaare. Während der sogenannten Wachstums- oder Anagenphase, die etwa 90% des Lebenszyklus oder rund 6 Jahre dauert, wächst das Haar jeden Tag etwa 0,3 - 0,4 Millimeter, pro Jahr sind dies etwa 10-15 cm. Danach gibt es eine kurze Übergangs- oder Katagenphase, die nur drei bis vier Wochen dauert. In dieser Zeit wächst das Haar nicht mehr weiter, die haarbildenden Zellen bilden sich zurück und die Haarwurzel verkürzt und verdickt sich. Zu guter Letzt folgt die drei- bis viermonatige Ruhe- oder Telogenphase. In der Zeit sitzt das Haar nur noch im oberen Ende des Haarfollikels. Anschließend fällt das Haar aus. Gesunde Menschen verlieren pro Tag etwa 100 Haare. Nach einiger Zeit wird das Haarfollikel wieder aktiviert und bildet erneut ein Haar. Während des Menschenlebens kann ein Follikel etwa 10-12 mal ein Haar bilden. Der gesamte Haarwuchs ist sehr weitgehend genetisch geprägt, nicht nur was die Länge und die Häufigkeit des Haarlebenszyklus angeht, sondern auch die Haardichte (Rothaarige haben weniger Haare als Blonde) und die Haardicke. Es gibt also grundsätzlich keine exakten Werte, sondern nur eine statistische Bandbreite.